Preisträger des ersten oberösterreichischen Holzbaupreises

Gewonnen hat … Holz

In den vier Kategorien öffentliche Bauten, gewerbliche und landwirtschaftliche Bauten, Einfamilienhaus sowie Mehrfamilienhaus wurden aus insgesamt 75 eingereichten Objekten zehn prämiert. „Der oberösterreichische Holzbau macht in qualitativer und quantitativer Hinsicht einen gewaltigen Sprung. Die Verleihung des Holzbaupreises hat Bedeutung über die Grenzen des Landes hinaus und die Ergebnisse entsprechen dem internationalen Niveau im Holzbau,“ lautet das Statement der Juroren zum Holzbaupreis.

Ergebnisse des Holzbaupreises und Jurybegründung

Kategorie Öffentliche Bauten

Auszeichnung: Höss-Halle Hinterstoder, Hinterstoder Architekten: Riepl Riepl Architekten, Linz
Bauherr: Gemeinde Hinterstoder
Ausführung: Obermayr Holzkonstruktionen GmbH, Schwanenstadt   Die Häuser des bekannten Wintersportortes reihen sich großteils entlang der Dorfstraße. Gegenüber dem Kirchplatz gelegen, nützt der Entwurf für die Veranstaltungshalle die Chance für eine Querachse. Aus dem tiefer liegenden Terrain heraus wird der Publikumsbereich mit der Veranstaltungshalle auf einen massiv gebauten Sockel gehoben, der über eine sogar leicht ansteigende, breite Brücke zugänglich ist. Über diesem rund herum verglasten Hauptgeschoss lagert ein quadrisch-breiter, mehrheitlich geschlossener Körper, der dem Bauwerk eine der Aufgabe angemessene Monumentalität verleiht, die von einzeln gesetzten, großen Öffnungen betont wird. 
Nach Süden und Osten kragt der Oberbau mächtig vor, schützt den Eingangsvorbereich sowie den öffentlichen Weg, der über eine Rampe zum tiefer liegenden Parkplatz führt. Mit dem Bauwerk wurde städtebaulich eine sorgfältige und klug konzipierte Setzung vorgenommen. Es vermag das Ortszentrum neu zu bestimmen und erheblich aufzuwerten. Die beiden Geschosse über dem Sockel sind komplett in Holz ausgeführt. Zweigeschossige Stützen in Form von Hohlkästen, welche die statische Wirkung kurzer Scheiben haben, tragen ein räumlich anspruchsvolles System hoher Schichtholzträger und statisch aktiver Scheiben, sodass das Hauptgeschoss seinen rundum offenen Charakter behalten kann, und das Obergeschoss einige räumlich dichte Orte aufweist. 
Die Oberflächen im Inneren werden von gelblich aufgehellt lasierten MDF-Platten bestimmt, deren Struktur durchscheint. Außen sind großflächige Elemente mit vertikal befestigten Lärchenholzleisten montiert. Das klare Volumen erhält damit eine weich wirkende Oberfläche mit kräftiger Materialwirkung, die im wechselnden Licht lebendig bleibt. Auch wenn der Zeitrahmen eng bemessen war, gelang mit der markanten Höss Halle ein für touristische Zentren im Alpinbereich wegweisendes Bauwerk und darüber hinaus ein vorbildlicher Holzbau.

Anerkennung: Lignorama Holz- und Werkzeugmuseum, Riedau Architekten: Johannes Kaufmann und Oskar Leo Kaufmann, Dornbirn Bauherr: Lignorama Verein Holz- und Werkzeugmuseum, Riedau Ausführung: WIEHAG GmbH, Altheim, Kaufmann Holz AG, Reuthe  Wenige Monate vor Beginn der Olympischen Winterspiele 1998 in Japan förderte eine Initiative österreichischer Säge- und Holzindustrieller die Planung und Errichtung eines „Österreich-Pavillons für Japan", der die Leistungsfähigkeit der heimischen Holzwirtschaft in diesem für den Holzexport wichtigen Land demonstrierte. Kurze Planungs-, Fertigungs- und Montagezeiten, vor allem aber die architektonische Qualität der drei gestaffelten Volumen trugen zum Erfolg bei.

Die Wiederaufstellung als Holz- und Werkzeugmuseum in Riedau belegt die Anpassungsfähigkeit des Entwurfs an unterschiedliche Situationen. Der Ausbau eines Untergeschosses erfolgte so dezent, dass der Eindruck des leichtfüßigen Abstützens gewahrt bleibt. Ob von außen oder von innen, mit der in den beiden Hauptrichtungen unterschiedlichen perspektivischen Wirkung überzeugen die gestaffelten Räume architektonisch auch in Riedau.

Kategorie Gewerbliche und landwirtschaftliche Bauten

Auszeichnung: Landwirtschaftliche Berufs- und Fachschule Otterbach, St. Florian am Inn Architektin: Romana Ring, Linz  Bauherr: Land Oberösterreich  Ausführung: Johann Ornetsmüller GesmbH&Co KG, Andorf 
Zur Gebäudegruppe der Schule gehören ein schlossartiges Hauptgebäude aus dem 19. Jahrhundert in romantisch-historisierender Manier sowie zwei eingeschossige Pavillons aus den Siebzigerjahren, die kaum Zusammenhalt aufwiesen. Der Ausbau transformierte die Pavillons in zweigeschossige, zum Haupthaus firstparallele Längstrakte und verbesserte die Konstellation wesentlich.

Mit zweigeschossigen Verbindungsgängen, die Teil des Funktionsprogramms waren, wird in feinfühliger Weise ein Hof von hoher Außenraumqualität geschaffen. Dabei umschließen die eingehausten Flügel den Raum, der luftige, gedeckte Steg davor wirkt hingegen als Filter zwischen Vorplatz und Hof. Ein unangemessenes Pathos wird mit dem demonstrativ gezeigten Rampenverlauf der oberen Gänge sowie mit der Wahl von Holz als Baumaterial in gegenklassischer Weise geschickt vermieden.

Darüber hinaus dient Holz als leichtes Konstruktionsmaterial, unter anderem als Ersatz für eine Stahlbetondecke, um die für eine Aufstockung nicht vordimensionierten Fundamente zu entlasten, sowie als Fassadenschirm für den Werkstättentrakt. An Letzterem wird der integrale Charakter des Volumens durch ein elegantes Überspielen der verschieden großen Öffnungen gewahrt.

Abwechselnd zu den Brettern der Stülpschalung sind Glaspaneele gleicher Höhe eingesetzt. In freiem Ornament eingeschnittene, mit den Lüftungs- und Ausblicksflügeln der dahinter befindlichen Fenster korrespondierende, rechteckige Lücken verleihen der Fassade einen mehrdeutigen Ausdruck, der zwischen landwirtschaftlichem Betriebsgebäude und künstlerisch verfremdetem Objekt changiert.

Auch wenn in handwerklich-technischer Hinsicht einige Anschlussdetails bei den Dreischichtplatten am einen Verbindungsgang Wünsche offen lassen, besticht das architektonisch subtil gearbeitete Bauwerk durch die eigenständige, unkonventionelle und trotzdem sanfte Erweiterung der Anlage zu einem neuen Ganzen von überzeugender, angenehm ruhiger Ausgewogenheit.

Anerkennung: Betriebsgebäude Schlossgangl, Steyr Architekt: Walter Unterrainer, Feldkirch  Bauherr: Schlossgangl GmbH & Co KG, Steyr  Ausführung: Berlinger Holzbau, Alberschwende   Das formal ansprechende Betriebsgebäude besteht aus einem eingeschossigen Werkstatt- und Lagertrakt sowie einem leicht dazu verschobenen, zweigeschossigen Büro- und Verkaufstrakt.

Das entwerferische Konzept verbindet die konstruktiv-technische Durcharbeitung als Büro-Passivhaus in Holzbauweise mit der Firmenphilosophie des energiebewussten Installationsbetriebs und einem attraktiven architektonischen Ausdruck. Die gesamte Konstruktion über der Stahlbeton-Bodenplatte setzt sich aus dem architektonisch-konstruktiv als Platten und Scheiben wirksam werdenden System von im Werk vorgefertigten, bereits mit Dämmung versehenen flachen Holzboxen zusammen, die aus transportierfähigen Elementgrößen in kürzester Zeit montiert werden konnten. Dennoch bestimmen nicht Modulordnung und Rasterdenken den Gesamteindruck, sondern fließende Raumübergänge, große Glasflächen und eine angenehme Innenraumwirkung.

Anerkennung: tilo GmbH/ Schrattenecker, Lohnsburg Architekten: Riepl Riepl Architekten, Linz  Bauherr: G. Schrattenecker GesmbH & Co KG, Lohnsburg  Ausführung: Obermayr Holzkonstruktionen GmbH, Schwanenstadt   Das dreigeschossige Bürogebäude ist ein Pionierwerk, bei dem für Brandschutz, Konstruktion, Montage und Witterungsschutz unter Bedachtnahme auf das Material Holz innovative Prinzipien gesucht wurden. Festigkeitssortiertes Brettschichtholz, geringer Stahlanteil in den Verbindungen, abschnittsweise gebäudehohe Montage aus Stockwerksrahmen, abnehmbare Fassadenelemente sowie eine Vergütung der bewitterten Oberflächen mit Naturharzen sind die technologischen Neuerungen.

Die architektonische Qualität beweist sich an dem von kräftigen Schichtholzzangen getragenen, ausladenden Dachschirm, einer hellen Kaskadentreppe, die zu breiten Gängen in den Obergeschossen führt und an der sorgfältigen Detaillierung. Die für Bürogebäude gewünschte Offenheit und Transparenz wahrt dennoch Privatheit, und eine im Erdgeschoss befindliche Kantine überrascht Besucher mit ihrer differenzierten Licht- und Raumstimmung.

Anerkennung: Ziegenstall, Ottensheim Architekt: Adalbert Böker, Ottensheim Bauherr: Adalbert Böker, Ottensheim Ausführung: Glatzhofer & Co GesmbH., Eferding  Das langgestreckte Bauwerk liegt in der weich beginnenden Geländefurche eines jüngst wieder geöffneten, mit Erlen bestockten Baches. Funktional organisiert, nützt die Grundriss- und Geschossdisposition den Niveauunterschied bergseitig zur Einbringung des Heus ins Obergeschoss, an den Längsseiten für die Ausgänge der Ziegen aus den darunter befindlichen Laufställen und talseitig für das Deponieren des Mists. Die unaufgeregte, im
 
Ausdruck durchaus moderne Gestaltung wahrt das Selbstverständliche landwirtschaftlicher Bauten in ihrer Beziehung zur Topografie und zur Kulturlandschaft.

Eine glückliche Verbindung von Tradition und Innovation betrifft sowohl den auf neuen Erkenntnissen basierenden bäuerlichen Betrieb zur Zucht und Erhaltung alter Haustierrassen, als auch die einfache Zimmererkonstruktion in ihrer zeitgenössischen Fertigung, die gemeinsam zu klassisch schlichter Angemessenheit finden.

Kategorie Einfamilienhäuser

Auszeichnung: Badehaus, Salzkammergut Architekten: Luger & Maul ZT-Gesellschaft OEG, Wels  Bauherr: Privat  Ausführung: Schmid Bauunternehmung Holzbau GmbH & Co KG, Frankenburg  Der großzügig dimensionierte Aufenthaltsraum des kleinen Badehauses ist eingespannt zwischen einer knapp über dem See auskragenden Bodenplatte und dem auf dünnen Stehern über einem trennenden Oberlichtband abgestützten flachen Dach. Seine Flanken werden durch eingesetzte Wandelemente vor Blicken geschützt, während die beiden vordersten Felder und die Stirnseite raumhoch verglast sind. Damit wird dieser Raum zu einem wunderbaren, auf den See und die gegenüberliegenden Hügel orientierten Landschaftserfahrungsraum.

Die konstruktive und architektonische Durchbildung erfolgte ausschließlich mit erstklassigem Lärchenholz in exakter Verarbeitung. Die Homogenität des Innenraumes, dessen Charakteristik und Qualität in seiner Wirkung einem Futteral nahe kommt, steigert den Kontrast zum großartigen, im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten sich stets anders darbietenden Ausblick. Trotz der geringen Dimensionen des Bauwerks gelangt das Material Holz an diesem Objekt zu breiter Entfaltung. 
Holz ist konstruktiv wirksam, ohne dass es sich vordrängt. Es ist als Wetterschirm eingesetzt, indem vertikal versetzte Leisten eine visuell weiche, aber gut schützende Oberflächentextur erzeugen, die sich zaunartig von den Glasflächen abheben. So gesehen, will das Gebäude auch gar nicht Wohnhaus sein, sondern eben nur ein Blick- und Windschutz bietendes Badehaus.

Hinsichtlich der Innenraumstimmung ist es wieder das Holz, das den Ton angibt. Sie ist warm und bergend, wie man es sich von einem Rückzugsraum erwartet, der bei Sonne und Hitze in den Hintergrund tritt, aber bei Regen und Wind Geborgenheit und Wärme bietet. Dann wird das Badehaus zum edlen Wohnraum, zu einem Ort für individuelles und gesellschaftliches Wohlbefinden. Als architektonisches Kabinettstück fokussiert es künstlerischen Anspruch, gestalterische Erfahrung und handwerklich-fachliches Können in vollendeter Weise.

Anerkennung: Wohnhaus Nicol, Dietach Architekt: Architekturbüro Harkess, Markersdorf
Bauherr: Claire und Bruce Nicol, Dietach Ausführung: WIEHAG, Hoch-, Tiefbau GmbH, Altheim  Vor einem lockeren Waldsaum an sonniger Südostlage ruht die großzügige Holzskelettkonstruktion des Wohnhauses aufgestelzt auf einer Schar Stahlbetonpfeiler, ohne den Terrainverlauf zu beinträchtigen. Ein- und Ausgänge erfolgen in einer bei Schiffen vertrauten Weise über flach ansteigende Stege, was den autonomen Charakter des Bauwerks stärkt. Unter dem ausladenden Dach zieht sich an der langen Vorderfornt und den Seiten eine raumhohe Glaswand um den klar strukturierten Grundriss. Die rückseitige Fassade ist mit Holz verschalt.

Die Präsenz der kräftigen Holzkonstruktion prägt auch die Innenräume und schafft da und dort architektonisch interessante Spannungsverhältnisse. Oft sind die Trennwände frei geführt, was das Bauwerk großzügiger macht. Auch wenn die Position der Pfostenreihe in der vorn durchlaufenden Laube räumlich unentschieden wirkt, bleibt ein großzügiger und offener Gesamteindruck bestimmend.

Anerkennung: Wohnhaus Trabert, Linz Architekt: Fischill Architekt, Puchenau/ Linz Bauherr: Christa und Gerhard Trabert, Stuttgart Ausführung: Mühlviertler Holzwerkstätte Manfred Rehberger, St. Peter/ Wimberg
Mit einer äußerst sorgfältig geplanten, erneuernden Bearbeitung und der wärmetechnischen Nachrüstung wird an diesem kleinen Wohnhaus, das aus dem Jahr 1937 stammt, der Beweis erbracht, dass korrekt konstruierte Holzbauten nicht nur dauerhaft sind, sondern problemlos teilerneuert werden können, ohne dass das Alte deformiert oder das Neue versteckt werden muss.

Das dunkle Äußere des einfachen Hauses gewinnt mit gezielt eingesetzten Farbakzenten, die an der früheren Farbgebung anknüpfen, den naturbelassenen Festern und Einfassungen sowie den flächigen Schiebeläden einen pfiffigen Ausdruck. Das Innere ist zu einer schmucken, gut wärmegedämmten Schatulle ausgebaut, deren Innenflächen aus heller, schlichter Lärche an Boden, Wand und Decke überraschende Noblesse sublimieren. Der perfekten Planung entspricht eine exakte Ausführung, wodurch das vormals bescheidene Häuschen deutlich aufgewertet wird.

Kategorie Mehrfamilienhäuser

Anerkennung: Wohnhaus Holzpark I, Reichental im Mühlkreis Architekt: Albert P. Böhm, Linz Bauherr: GWB Gesellschaft für den Wohnungsbau, Linz Ausführung: Kapl Bau GmbH., Bad Leonfelden  Die beiden zweieinhalbgeschossigen Gebäudetrakte sind räumlich geschickt zwischen Bezirksstraße und das anschließende Einfamilienhausgebiet platziert, sodass ein siedlungsbaulicher Bruch vermieden wird. Mit den Annexbauten, die Stiegen und Abstellräume enthalten, gelingt es, zu den kleineren Volumen der Siedlungshäuser zu vermitteln und die Einbindung in das Quartier zu unterstützen. Ein kristallines und kompaktes Volumen, vernünftige Wohnungszuschnitte und eine sorgfältige Materialisierung bestimmen den architektonischen Ausdruck. Holz und Holzwerkstoffe werden sinngemäß verwendet.

Allerdings fällt die Detailgestaltung am zweiten Bauabschnitt etwas hinter die in ihrer Einfachheit und Klarheit qualitätsvollere des zuerst errichteten Hauses zurück.  Insgesamt erfüllt eine positive Grundstimmung die Wohnanlage, die den Vergleich mit anderen Geschosswohnbauten aus Holz nicht zu scheuen braucht.